"Mexiko City- der Tanz auf dem Vulkan"
Unsere Einstimmung auf Mexiko City war das zweimalige Umfahren auf den außenliegenden Autobahnen im Norden und Osten. Die Stimmung in den Randgebieten ist trist, staubig und total deprimierend. Nicht nur das Mexiko City eine der größten Städte der Welt ist, sondern die am dichtest besiedelte. Moloch, Traumfabrik, Metropole, Kulturstadt, letzte Zuflucht. Mexiko ist wie eine harte Nuss, die man erst hartnäckig durchbeißen muss, um an den leckeren Kern zu kommen. Man darf sich an dieser Stadt nur nicht schon an der Schale die Zähne ausbeißen. Zahnschmerzen hatten wir beim umfahren der Stadt bekommen. Gleich 4 Polizeiteams hatten sich abgesprochen und wollten scheinbar die geforderten Devisen (150 US-Dollar) unter sich aufteilen. Beim ersten Blaulicht waren wir noch nervös. Den zweiten, dritten und vierten Polizeistopp innerhalb einer Stunde haben wir bereits mit Humor genommen und als persönliche Herausforderung gesehen, natürlich nicht zu bezahlen. Mit Zeit und Geduld lässt sich viel ertragen. Und so haben wir als Ausländer einfach mal den Motor auf der Straße ausgemacht, den Verkehr blockiert, die Einspritzpumpe unseres Wagens unterbrochen und mit offener Motorhaube auf der Straße gestanden und schließlich mit der Aussage gepunktet, dass wir mit der mexikanischen Touristenpolizei telefoniert hätten. Zwischendurch hat Ingo sein schauspielerisches Talent mit gespielten Wutausbrüchen unter Beweis gestellt, ich war mittlerweile in Debattierlaune gekommen und die Polizisten haben schließlich bei so viel deutschem Einfallsreichtum aufgegeben. Also, erst durchbeißen, dann zu der Überraschung Mexiko City kommen. Denn die Stadt überrascht im Zentrum mit fehlendem Chaos, wunderschönen Kolonialbauten, geregeltem Verkehr, reichen Kulturschätzen und relativer Stille. Der Mythos des Molochs verschwindet. Und viele schlaue Dinge und Maßnahmen können sich nur solche Megacities ausdenken und umsetzen, um die Massen zu bewältigen. Zum Beispiel bewältigen die meisten Straßen die Blechlawinen im Einbahnstraßensystem und schieben die Autos ampelfrei durch. Die Autobahnen in der Peripherie ragen mittlerweile über drei Etagen in den Himmel und beim Befahren kann man den Nachbarn im 5 Stock beim Frühstücken zu winken. Die moderne Anmutung wird nur durch das typische Motorengeräusch eines Käfers in die Nostalgie zurückgeholt. Denn die gibt es als inoffizielle grüne Taxen in Mexiko City an jeder Ecke zu hören. Unbewußt grinsen wir den sympathischen Charakterautos hinterher und benutzen doch lieber eines der offiziellen Taxis, um mit unseren wichtigen Papieren, Dokumente usw. die deutsche Botschaft zu besuchen. Das Kennzeichen und das Modell des Taxis werden uns vor dem Einsteigen mitgeteilt und garantieren Sicherheit. Und sicher fühlen wir uns bei allem was wir in den touristentauglichen Stadtteilen machen. Die Polizeipräsenz ist übermächtig: an jeder Kreuzung, Ampel, Metrostation, Museum usw. stehen respekteinflößende und gut ausgerüstete Ordnungshüter. Denn immer scheint irgendwas in der Stadt zu pulsieren. Wenn es nicht die Fußballfans sind, dann demonstrieren die Gewerkschaften gegen die Globalisierung oder Mexikaner ohne Wohnung mit dem Abbild des Bürgermeisters als Hitlerverschnitt mit Hakenkreuz und schwarzem Schnauzer für bezahlbaren Wohnraum.
> noch mehr