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Deutsche Einblicke in den kubanischen Alltag oder „gut behauptet ist fast bewiesen“

Deutsche leben nach Regeln und müssen alles kalkulieren. In Havanna mussten wir das schnell ablegen und haben dabei einen Mordsspaß. Was zunächst das Herz höher schlagen lässt sind die alten amerikanischen Autos. Autos mit Charakter, einem Gesicht und mächtig viel Kohlenmonoxidausstoß. Werkstätten gibt es vereinzelt, aber warum sollen diese benutzt werden, wenn das Wetter doch draußen viel schöner ist und immer ein Nachbar auf einen Plausch vorbei kommt. Also wird der Motor mal eben auf der Straße auseinander gebaut (natürlich vollständig) und selbstverständlich inklusive eines Ölwechsels. Das funktioniert hier fantastisch, denn die Abwasserkanäle haben einen so großen Durchmesser, so dass in diese auch mal die komplette Wohnugseinrichtung einer ganzen Straße drin verschwinden kann. Auch deshalb muss man sich als Deutscher das schnelle und hektische Gehen abgewöhnen. Die Kanaldeckel sind teilweise nicht nur tief, sondern auch einfach gar nicht existent oder die Bäume haben in den letzten Jahrzehnten die Gehwege zu Kraterlandschaften verwandelt. In Deutschland würde irgendjemand dafür verklagt werden...
Die Taxen in Deutschland haben kein Eigenleben und folgen fast immer Regeln. Wenn man einsteigt startet der Taxameter und die Fahrt wird berechnet. In Havanna muss jede Fahrt im Taxi neu verhandelt werden. Große Gesten mit Händen und Augenbrauen verschaffen Handlungsspielraum und man signalisiert, dass man nicht leicht übers Ohr zu hauen ist. Der Preis wird also verhandelt und dann liegt es am Fahrer, wie er das staatliche Fahrtenbuch oder den Tachostand überlistet. Manchmal reicht ein einfacher Griff unter die Armatur und der Kilometerstand dreht sich rückwärts. Mit lautem Hupen nähert man sich also ohne Anschnallgurte im Taxi einer Kreuzung. Jeder nimmt Rücksicht und es funktioniert. Auch ohne scheinbare Regeln.
Das Busfahren in Havanna ist fast so einfach wie in Deutschland. Allerdings ohne ausgewiesene Fahrpläne inklusive Fahrzeiten und Routen. Es stehen Nummern an den Bussen und entweder kennt man die Fahrtrichtung oder nicht. Manchmal kommt ein Bus oder manchmal auch nicht. Im Bus wird nicht vom Fahrer kassiert, sondern von seinem Kollegen. Das geht auch nicht anders, denn während man noch auf dem Bürgersteig steht, setzt sich der Bus schon in Bewegung. Noch mal kräftig nachgeschoben und gebrüllt, dann passt es schon. Hübsche und allein fahrende Fahrgäste bekommen teilweise das Fahrtgeld mit einem Augenzwinkern zurück geschoben oder andere dürfen gratis fahren. Klimaanlagen brauchen die Busse nicht, denn die Löcher in den Dächern und in der Verkleidung sorgen für einen frischen Fahrtwind. Umkippen im Bus ist auch unmöglich, denn in einer Sardinenbüchse ist mehr Platz als in den öffentlichen Bussen. Und trotzdem macht auch das Busfahren Spaß, denn die meisten sind auch hier höflich, gelassen (wie wir mittlerweile auch) und riechen auch noch gut. Warum stinken in deutschen Bussen viele so nach Schweiß, dass die Tränen in die Augen steigen, aber hier keiner? Das ist doch eine Regel, die noch kein Deutscher aufgestellt hat, oder?

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