"In der DDR gab es alles: nur nicht für jeden, nicht immer und nicht überall"
Das DDR-Konsumgefühl lässt sich hier sehr schnell nachempfinden. Gestern waren die Regale im Supermarkt noch leer und die Verkäuferinnen standen tatenlos zum Plausch in der Ecke. Heute sind die Regale voll mit bunten Artikeln und wir kommen uns vor, als wären wir in China zum Einkaufen, denn der große kommunistische Bruder schickt Produkte inklusive chinesischer Schriftzeichen. Es gibt zwar immer noch ein Regal mit einlagigem Klopapier, aber das auch konsequent über 10m Breite und 2m Höhe. Die Spezialartikel, wie Schokolade, Olivenöl, Shampoo gibt es im Supermarkt an Extraständen (wie sagt der Marketing-Fachmann gern „Shop in Shop“) und vor Diebstahl streng gesichert. Interessant ist auch die Abteilung für Fleisch und Fisch. Die eingeschweißten Hackfleischpackungen würden in einer deutschen Tiefkühltheke ebenso schön und appetitlich aussehen. Hier liegen sie jedoch in 50 Jahre alten Theken, wo die Farbe eher einem gelb als einem weiß gleicht und der Rost an jeder Ecke zu finden ist. Aber da rufen wir uns doch schnell den deutschen Fleischskandal ins Gedächtnis. Nach außen hui nach innen pfui und die strengen Lebensmittelbestimmungen haben auch nichts geholfen. Also, es ist eben nicht immer alles Gold was glänzt. Hier hat das Gold eben eine leichte Patina!
Die Grundversorgung an Lebensmitteln erfolgt über farbenfrohe und reichhaltige „Bauernmärkte“. In der Innenstadt kann man sie in fast eingestürzten Häusern finden, an der Straße in kleinen Wellblechhütten oder an bestimmten Tagen nehmen sie ganze Straßenzüge ein. Unserer Straßenmarkt ist sonntags in unmittelbarer Mähe unserer Privatunterkunft. Hier stehen farbenfrohe und uralte LKWs und verkaufen die Massen direkt von der Ladefläche herunter. Der Weißkohl wird oben am LKW in einen Schredder geworfen und kommt unter als Kraut zum Verkauf heraus. Hier wird richtig laut und mit viel Gestik angepriesen. Der ganze Schweinekopf liegt ebenso in der prallen Sonne wie die Hühnerbeinchen und wartet auf seine Abnehmer. Leider werden wir das nicht sein, denn die Angst vor Montezumas-Rache ist immer präsent! Naja, der Urlaub ist ja noch lang und das Herz der Mutigen haben wir.