„Kann ich nicht, gibt es nicht“
Die kleinen Tricks des Alltags oder alle Kubaner sind Improvisationstalente.
Bei uns gibt es Feuerzeuge als Werbegeschenke, billig an jeder Tankstelle und meistens hat jeder 10 verschiedene in irgendwelchen Schränken liegen. Auf Havannas Straßen sitzen Männer an kleinen Tischchen und reparieren in akribischer Handarbeit die uralten Einwegfeuerzeuge, als wären es kostbare Uhren. Die Befüllung der Feuerzeuge wird mit Insektenspray und dem darin enthaltenen Butan erledigt.
Überhaupt wird alles wieder zum Laufen gebracht, was noch einen Hauch an Leben in sich trägt. Die wunderschönen alten amerikanischen Autos aus den 50ern haben manchmal einfach einen Renault-Motor unter der Haube oder eine PET-Flasche wird zum Luftfilter umfunktioniert. Geht nicht, gibt es nicht. Apropos gehen, wer die langen Fußmärsche umgehen will, der spannt entweder Ochsen, Pferde oder eine Vespa vor den Karren. Oder der Säugling wird beim Motorradfahren einfach mal zwischen den Fahrer und die dahinter sitzende Mutter gequetscht. Das sind wohl die berühmten Sandwichkinder.
Die wenigen Autobahnen auf Kuba sind berüchtigt. Und wenn man sich auch sonst als Ausländer gerne mal den Regeln oder Hinweisen widersetzt, nachts auf jeden Fall nicht. Die Schlaglöcher auf den Autobahnen, von den kleineren Landstraßen will ich gar nicht sprechen, sind eine Achsenbruchgarantie. Nicht nur das sie tief sind, sondern auch noch so breit, dass nur ein Walter-Röhrl-Ausweichmanöver auf die andere Straßenbahn schlimmeres verhindern kann. Dabei muss der Fahrer aber den Straßenrand im Auge behalten, denn auf der Autobahn sind viele geschäftstüchtige Straßenverkäufer unterwegs. Plötzlich kommt also ein Arm mit Knoblauch, Zigarren oder Käse aus dem Gebüsch hervor und natürlich nach einer Schrecksekunde der gesamte Kubaner. Schlaglöcher, die man an solche erkennen kann, sind schon ein großes Glück. Aber es gibt diese Biester auch mit flüssigem schwarzem Teer gefüllt, und das ist eine verdammt gute Tarnung.
In unserem Reiseführer waren die stundenlangen Stromausfälle bereits angekündigt worden. Aber welcher Gast nimmt in die „casa de la musica“ seine Stirnlampe mit? In dieser kubanischen Disco in Miramar / Havanna geht jeden Tag der Punk ab. Frauen in mörderischen Stöckelschuhen und Männer in noch cooleren Klamotten feiern hier das privilegierte Leben, was sich die meisten nicht leidern können. Also viele schöne Menschen in noch teueren Klamotten tanzten zu einer 16-köpfigen Band und plötzlich ist (trotz der „revolucion de la energia“) Stromausfall und es war stockfinster. Keine Spur von Panik, sondern in Sekundenschnelle gingen Hunderte von Handies simultan an und die Kubaner leuchteten sich wie selbstverständlich ihren Weg mit den Handies zum nächsten Getränk an der Bar.