„Auf Kuba sind alle total entspannt“
Tatsächlich? Die Bedingungen sind zumindest ideal...aus Sicht des Touristen.
Prima Wetter und das im Januar, blau-grün-türkises Badewannenwasser, weißer Strand, Palmen, billige Getränke und ständig wird „die buena vista“ Musik gespielt. Toll tanzen können die auch alle hier und wenn man will, ist alles „todo incluido“ (aber das ist eine andere Geschichte). Ach ja, arbeiten muss man als Tourist ja auch nicht, schließlich ist Urlaub.
Viele Kubaner scheinen auch nicht unbedingt (nach unserem Verständnis) zu arbeiten. Obwohl Fiedel eine Arbeitslosenquoten von 2,5% propagiert. Tatsächlich haben fast alle einen Job, zumindest auf dem Papier. Oft heißt das aber auch, man sitzt vor einem Haus und bewacht es. Auch wenn es nix zu bewachen gibt. Man mäht den Rasen neben der Autobahn. Mit vielen Leuten, da die Macheten mit gekonntem Schwung über den Rasen geführt nur in großer Stückzahl „einen“ Rasenmäher ersetzen. Andere sitzen den ganzen Tag stumpf am „tollen“ Strand und bewachen die nicht besetzten, palmenwedelbedeckten Schattenspender für den Urlauber.
Was soll man auch sonst tun. Material für nötige Restaurierungen und Reparaturen bekommt man höchstens mal gegen Devisen. Meist ist jedoch nix vorhanden. Es wird ein unglaubliches Improvisationstalent entwickelt, um die, für uns so wunderschön anzusehenden, 50er-Jahre Autos am laufen zu halten.
Die 4 Fernsehsender versprechen auch keine längerfristige Unterhaltung. Einer mit alten Filmen. Einer für die Propaganda der 50jährigen Revolutionsgeschichte. Und 2 Sender für die Zwangsedukation nach Vorbild der Telekolleg-Sendungen der 70er (manch einer wird sich erinnern). Die Zeitung ist schnell gelesen, da im offiziellen Politorgan „Gramma“ nur 8 Seiten mit revolutionskonformen Texten gedruckt werden. Es soll noch weiteres Druckwerk geben. Die „Rebel...“ haben wir aber leider nicht gelesen.
Eins ist wahr. Die Menschen sind tatsächlich gut ausgebildet. Ausbildung ist für jeden kostenfrei. Das Gesundheitssystem erlaubt eine Lebenserwartung von 74 Jahren, die Kindersterblichkeit ist geringer als in Deutschland und jeder wird ohne Kosten behandelt.
Leider führt das u.a. auch dazu, dass Menschen auf Kuba mit einer hervorragenden medizinischen Ausbildung „nur“ Medikamente in einer spärlich bestücken Apotheke (und davon gibt es reichlich) verkaufen. Auch gibt es auf Kuba die am besten ausgebildeten Prostituierten, da dies oft die einzige Möglichkeit ist, an Devisen zu kommen. Die Polizei verfolgt dies zwar, aber eher halbherzig, vielleicht kann man am Devisenstrom teilhaben. Diese Reiter (tja, Birte wird weiter von der Reiterei verfolgt) werden ihre (wie überall auf dieser Welt) eher unansehnlichen touristischen Gönner auch nur mit einer gewissen Gelassenheit und der Aussicht auf Devisen ertragen können.
Kuba ist entspannt, teilweise aber auch resigniert! Hier gilt, wie so oft, die Medaille hat 2 Seiten. Man braucht das nötige Kleingeld, Kreativität, den Schwarzmarkt, oder am Besten alles auf einmal. Alle warten auf die Revolution oder zumindest auf eine weitere Öffnung, auch wenn niemand mehr an Besserung glaubt. Wahrscheinlich ist nach einer Öffnung Kubas ein gewaltiger Anstieg der Arbeitslosenquote zu befürchten. Ob das dann für die Touristen noch so schön und ungefährlich auf dieser tollen Insel bleibt?
Der Weg wird jedenfalls lang und holprig sein. Blühende Landschaften werden dann auch hier mehr als 2 Generationen benötigen, auch wenn die verantwortlichen Politiker, wenn es soweit ist, etwas anderes versprechen werden.
Als Fazit bleibt jedenfalls eines. Man sollte die Insel besuchen solange die Situation noch ist, wie sie ist. Als Tourist hat man alle Möglichkeiten und wird gerne gesehen. Die Menschen sind offen, herzlich und noch nicht durch den Konsumwahnsinn versaut. Dennoch, es wäre von Vorteil, die Urlaubsdevisen den Kubanern zu geben, statt sie den Neckermännern etc. zu überlassen. Wenn die westliche Marktwirtschaft mit allen Vor- und Nachteilen Einzug hält, ist zu befürchten, dass das Paradies bei sensiblem Vorgehen, jedenfalls vorübergehend, im Chaos versinkt. Und die tollen Autos (es sind keine Trabbis) werden gegen viel Geld (hoffentlich) gegen unansehnliche gleichförmige Kisten nach westlichem oder fernöstlichem Vorbild getauscht. „Hasta la victoria, siempre“.