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"Wir starren die Treppe hinauf,"

die mit alten Autonummernschildern und anderem Nippes gepflastert ist, als ein 30-Jähriger Mann auf seinen Knien an uns vorbei rutscht. Als ehemalige Evangelin denke ich (Birte) an die Begebenheiten auf unserer Reise, wo sich die Ärmsten ohne Rollstuhl auf ihren verstümmelten Gliedmaßen fortbewegen mussten. Ingo als abtrünniger Katholik belehrt mich kopfschüttelnd eines besseren: "Der Weg des Glaubens heißt Leiden". Ach ja, so ist es wohl mit dem menschenfeindlichen Glauben, wo sich kleinmachen zur Lebensphilosophie gehört. Und er unsportliche "Robbende" leidet tatsächlich unter seinem leichten Übergewicht und den vielen Stufen. Seine kleinen Kinder schauen ihn etwas verwirrt an, seine Frau lächelt uns stolz zu und wir denken blasphemisch an die Klinik in Hamburg-Ochsenzoll.
Auf der Anhöhe steht ein scheinbar trocken gelegter Springbrunnen. Der große Unterschied besteht jedoch darin, dass statt des Wassers Kerzenwachs läuft. Um die Mengen an flüssigem Kerzenwachs zu bändigen ist ein Abflussrohr installiert, der die Flüssigkeit in einen großen Teich laufen lässt. Aus der Oberfläche des Harzteichs ragen weggeworfene Plastikflaschen, anderer Müll und ein untergegangenes Holzkreuz. Der Ort ist so skurril und unwirklich, dass wir uns schließlich auch nicht über die vielen Souvenirstände wundern, die neben der toten Difunta Correa als Aufkleber oder Tonfigur auch andere Geschichtsgrößen, wie Ernesto- Che- Guevara verkaufen. Alpakamützen und Schals gibt es natürlich außerdem. Kommerz und Glaube gehören eben doch wie Engel und Teufel oder Gulasch und Rotkohl zusammen. Warum sollen die Menschen auch anders als ihre Mutterkirche, die Katholische Kirche, sein: "Der Zweck heiligt die Mittel". Heute, wie auch die vielen Jahrhunderte zuvor. Besonders auf diesem Kontinent.
Auf dem Weg durch Argentinien sehen wir dann nicht nur die Schreine der vielen Verkehrunfallopfer oder Difunta Correa-Abbildungen mit wassergefüllten Plastikflaschen gesäumt (für die Verdurstenden in der Gegenwart), sondern auch Jesus- und Mariafiguren sind von dem scheinbaren Müllbergen umringt. Den "richtigen und wahren Glauben" zu praktizieren ist eben "out". Heute ein bisschen abergläubische Difunta Correa, morgen ein bisschen strengen Katholizismus, übermorgen ein bisschen trendigen Buddhismus. Wenn es hilft.

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