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"Alles ist wieder sehr korrekt"

so dass eine argentinische Frau uns liebenswürdigerweise zum Bus fahren in Salta einlädt. Denn wer kein passendes Kleingeld hat, muss eben doch zu Fuß gehen. Der Busfahrer schmollt uns grimmig an und kann leider sein argentinisches Machogehabe mit einem Rauswurf nicht vollständig ausleben. Das lateinamerikanische "no hay una problema" scheint es für uns auf den ersten Blick nicht mehr zu geben. Sie sind alle sehr freundlich, aber leider auch zunehmend komplizierter und gesetzestreu. Der Polizist vor einer großen Polizeistadion schaut uns nach der Frage nach einem Übernachtungsparkplatz auf dem Polizeigelände an, als ob wir ein Puff mitten in seiner Polizeistation aufbauen wollten. "Die Regel besagt...". Als ich ihm antworte, dass es ja wie in Deutschland zugeht, schmunzelt er mich fragend an und weiß nicht so recht, ob es eine Beleidigung oder ein positiver Charakterzug ist. Ich lassen ihn unwissend stehen und wir suchen einen anderen sicheren Übernachtungsort im Nirgendwo. Treffen wir allerdings Argentinier, die zum Beispiel selbstständige Hotelbesitzer sind und keinen Regeln folgen müssen, dann werden wir selbstverständlich eingeladen und genießen die großzügige Gastfreundschaft. Aber ist es mittlerweile bei uns Zuhause in Deutschland nicht ähnlich? Wer einen Chef fragen muss, scheut die Anfrage und sagt im Zweifelsfall lieber pauschal nein und macht sich damit auch keine unnötige Arbeit.
Unser Herz geht in einem kleinen Ort im Supermarkt auf. Keine große Einkaufskette, sondern der Krämer ums Eck. Die Fleisch- und Käsekühltresen sind leer und schnell wird die Frage nach dem warum beantwortet. Vor der "richtigen Theke" mit echten Fachverkäufern ist die Stimmung so ausgelassen und quirlig, als wären die bösen Spielverderber Cholesterin und Diabestes abgeschafft worden. Wagenküsse werden untereinander wie selbstverständlich ausgetauscht und jeder scheint jeden zu kennen. Hier ist es nicht "der Arzt ihres Vertrauens", sondern der Metzger. Um das geordnete Chaos zu überblicken, müssen Wartenummern gezogen werden und die handfesten Verkäufer stehen in ihrem eigenen Schweiß. Akkordarbeit. Denn in Argentinien lautet das Motto: Fleisch ist das Gemüse. Wir kaufen noch am ersten Abend in Argentinien ein Kilo Rinderfilet für 3 Euro (die Qualität gibt es Zuhause für den Schnäppchenpreis von 40 Euro) und verschmähen fast jegliches Gemüse. Das zarte Fleisch ist rentnertauglich und muss nur noch mit der Zunge am Gaumen zerquetscht werden. Es ist soweit, Fleisch ist unser Gemüse! Und lässt uns mit einem guten Wein den heißesten Frühling seid Jahren etwas leichter ertragen. Von minus 10 Grad Celsius auf dem Altiplano in den argentinischen Backofen mit über 40 Grad Celsius. Da helfen die vielen Wasserflaschen zur Rettung Verdurstender bei dem Schrein der Difunta Correa auch nicht. Den schmalen Grad zwischen tiefer Gläubigkeit und der unverständlichen Götzenverehrung beschreiben wir aber in einer anderen Geschichte.
Und wir wissen nach wenigen Tagen bereits, mit Argentinien fängt ein neuer und ganz anderer Abschnitt auf unserer Reise an. Die für uns beeindruckende Kultur der Indigenas verschwindet (von 38 Mio. Einwohnern sind es nur noch 800.000 in Argentinien) und unsere heimische Kultur holt uns langsam wieder ein. Vielleicht ganz gut so, um bei der Rückkehr nach Deutschland nicht bretthart aufzuschlagen. Aber wir freuen uns schon auf das, was uns der Süden in Chile und Argentinien an wunderschöner Natur noch erleben lässt und dies sind ja "nur" die ersten Eindrücke eines großen Landes. Und an die feuchten Wagenküsse der Argentinier werden wir uns auch noch gewöhnen. Schmatz!

 
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