„Da schauen wir doch noch mal ums Eck“
Alles was mit Sport und Bewegung zu tun hatte, musste ausprobiert werden. Einige Sportarten wir Paragliding sind dann leider irgendwann wegen mangelnder Zeit und Übung, oder auch verlorener Unbeschwertheit wieder gestrichen worden. Aber der Wille zur Bewegung ist immer noch da, nur in der letzten Zeit etwas tiefer im Unterbewusstsein vergraben. Leider kollidiert eine weitere Leidenschaft "das Kochen" manchmal mit dem inneren Schweinehund. Essen hat für mich selten etwas mit Nahrungsaufnahme zu tun, sondern vielmehr mit Kommunikation. Alle sitzen um eine Tafel (oft unsere eigene), genießen das Essen und die Atmosphäre. Manchmal still und dann mal wieder quirlig, laut und völlig chaotisch. Und so soll es auch auf unserer Tour werden, mit völlig neuen Ideen, Rezepten, Zutaten und Menschen. Liebe geht bekanntlich durch den Magen, egal in welcher Sprache.
In meiner Jugend gab es die günstige und abenteuerliche Art des Reisens, Interrail. Gibt es das überhaupt noch heute? Jungs mit viel zu großen Rucksäcken und viel zu wenig Geld, unterwegs in Europa, als Spanien noch Schwellenland war und die portugiesischen Mamis die blonden Jungs aus Deutschland als Schwiegersöhne behalten wollten? Der Blick über den Tellerrand war damals schon aufregend und machte Neugier auf Neues. Und dabei immer der ausgeprägte Wunsch noch mal ums Eck zu schauen.
In einigen Aktivitäten war ich dann manchmal auch anders, als andere Kinder. Oder welcher Junge baut sich seine Möbel selbst oder näht sich eigene Klamotten? Das Interesse an schönen Dingen und Gestaltung konnte ich während meines Studiums und nach dem Studium in meinen Jobs in barer Münze umsetzen (irgendwoher musste das Geld für Reisen ja kommen). Wer hat schon das Glück in seinem Job seine Interessen ausleben zu können? Da fiel es nicht schwer immer ein bisschen mehr Tempo und Engagement zu geben. Leider hatte sich mein Leben in den vergangenen Jahren, vor allem im Job enorm beschleunigt. Und dabei schlich sich immer mehr das Gefühl ein, überhaupt nichts mehr im Privatleben zu schaffen. Schließlich führten dann viele Dinge dazu, dass ich zum Hamster im Rad und final zum „Behandelten“ wurde. Der Schlag vor den Bug kam prompt und ohne Vorwarnung. Lebensstandard hat eben doch nicht viel mit Lebensqualität zu tun.
Nachdem die Lebensfreude und damit auch die Neugier wieder gefunden waren, entstand dieses Projekt. Genau jetzt und nicht erst nach der Rente. Denn in 20 Jahren denke ich wahrscheinlich eher über eine weichere Matratze nach als über "freigelassen"!